Frühpädagogik Studieren!
Das Studium der Frühpädagogik ist eine Innovation des deutschen Bildungssystems, die noch nicht einmal fünf Jahre alt ist. Als die Robert Bosch Stiftung 2003 ihren Schwerpunkt „Frühkindliche Bildung“ einrichtete, gab es in Deutschland noch keinen einzigen Studiengang, um Fachkräfte für Kindertageseinrichtungen auf akademischem Niveau auszubilden.
Angesichts eines neuen bildungs- und gesellschaftspolitischen Stellenwertes der frühkindlichen Bildung setzt sich die Robert Bosch Stiftung dafür ein, dass die bisherige Fachschulausbildung für die Kinder- und Jugendhilfe um eine auf frühkindliche Bildungsaufgaben spezialisierte Hochschulbildung ergänzt wird.
Das Programm „PiK – Profis in Kitas“ fördert fünf Hochschulen, die Studiengänge für die Bildung, Betreuung und Erziehung im Kindesalter auf Bachelor- und Masterebene entwickelt haben. Sie vertreten unterschiedliche Traditionen für die Professionalisierung von Pädagogen an Universitäten und Fachhochschulen – von Sozialpädagogik bis hin zur Lehrerbildung, von der grundständigen Ausbildung bis hin zur berufsbegleitenden Weiterbildung. In einer hochschulübergreifenden Innovationswerkstatt haben die PiK-Partnerhochschulen in den letzten zwei Jahren Bildungsinhalte und Vermittlungsmethoden, für die Professionalisierung von Frühpädagogen erarbeitet. Sie haben dabei ihre unterschiedlichen Profile und Kompetenzen eingebracht.
Wie heterogen die Grundlagen der Frühpädagogik sind – in Theorie, Empirie und Praxis - wurde in der gemeinsamen Arbeit in der Innovationswerkstatt deutlich. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Arbeit und in den Ergebnissen. Dennoch gelang es den PiK-Partnerhochschulen, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln, was und wie in frühpädagogischen Studiengängen gelehrt werden sollte. Die Ergebnisse dieses Arbeitsprozesses möchten wir Ihnen nun unter dem Titel „Frühpädagogik Studieren!“ als Orientierungsrahmen für die Entwicklung frühpädagogischer Studiengänge präsentieren.
Ein Ausgangspunkt für dieses Werk ist eine Bestandsaufnahme der „Frühpädagogik heute“, Dieser Artikel skizziert die Entwicklungslinien der pädagogischen Arbeit mit Kindern im Vorschulalter und aktuelle Herausforderungen. Weiterer Ausgangspunkt ist ein „Qualifikationsrahmen Frühpädagogik“, der beschreibt, was Frühpädagogen auf Bachelor-Niveau wissen, können und sein sollen. Bezugspunkt für diesen Qualifikationsrahmen ist ein Leitbild, das „Bild vom Kind“, das die Partner des Programms gemeinsam verabschiedet haben.
PiK hat es sich zum Ziel gesetzt, die Verzahnung von Forschung, Lehre und Praxis voranzutreiben. Für die Lernorte Hochschule und Praxis haben die PiK-Partnerhochschulen Vorschläge für die Verschränkung von theoretischen mit praktischen Ausbildungsanteilen gemacht und Qualitätsziele für die Kooperation und gegenseitige Befruchtung der beiden Lernorte erarbeitet. Als didaktische Grundlage für die Professionalisierung von Frühpädagogen empfehlen sie ein forschendes Lehren und Lernen, und stellen Beispiele für das forschende Studieren aus ihren Studiengängen vor.
Auch der Frage nach der inhaltlichen Ausgestaltung frühpädagogischer Studiengänge wurde nachgegangen. Dabei ist kein verbindliches und nach einzelnen Studienanteilen gewichtetes Kerncurriculum entstanden. Auf einer abstrakten Ebene wurde jedoch das Spektrum relevanter Qualifizierungsbereiche definiert und als Bausteine frühpädagogischer Studiengänge beschrieben.
Als Bestandsaufnahme erhebt der Orientierungsrahmen nicht den Anspruch in den Bausteinen alle relevanten Bildungsinhalte vollständig abgebildet zu haben. Das hier präsentierte Spektrum soll viel mehr eine Grundlage für inhaltliche Diskussionen über die zentralen Bestandteile frühpädagogischer Studiengänge bieten und Erweiterungen anregen. Ebenso ist die systematische Berücksichtung von unter Dreijährigen in frühpädagogischen Studienangeboten eine Aufgabe der zukünftigen Entwicklungsarbeit, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht geleistet werden konnte.
Die Frühpädagogik ist noch eine junge Disziplin. Sie hat noch keine eigene Fachgesellschaft oder andere institutionelle Strukturen, die Rahmencurricula und Prüfungsordnungen für alle Studiengänge entwickeln und verbindlich machen könnten. Der PiK Orientierungsrahmen ist jedoch ein erster Schritt auf diesem Weg. Er bündelt die Perspektiven von fünf Pionierstandorten und hat diese als Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung von Ausbildungsqualität und curricularen Standards aufbereitet.
Der rasante Anstieg der Anzahl frühpädagogischer Studiengänge auf über 40 Bildungsangebote in weniger als fünf Jahren zeigt: die Entwicklung einer akademischen Ausbildung ist unumkehrbar. Die Diskussion über Bildungsinhalte und Vermittlungsmethoden wird lebhaft geführt und das Ringen um allgemein akzeptierte und nachhaltig umgesetzte Standards für Ausbildungsqualität muss nun weitergehen.
In diesem Sinne hofft die Robert Bosch Stiftung auf eine breite Rezeption der Ergebnisse von PiK in der Fachöffentlichkeit.



